In meinen Büchern erkunde ich, wie Gesellschaften, Künste und Formen des Zusammenlebens in Bewegung geraten – oder ins Stocken. Die Essays in Buchform verbinden kulturgeschichtliche Aspekte mit Überlegungen zur Wirkungskraft von ästhetischen Phänomenen im Leben einzelner wie solchen in größeren Gruppen oder ganzen Gesellschaften. Unter welchen Bedingungen gelingt ein Aufbruch, unter welchen scheitert er, und welche Konsequenzen hat das? Das ist das große Thema meiner Bücher.

  • Die Erfindung der Eleganz (Reclam, 2022) untersucht das Gespräch als kulturelle Errungenschaft. Anhand der französischen Salonkultur des 17. Jahrhunderts zeigt der Essay, wie Formen von Aufmerksamkeit, Respekt und Leichtigkeit entstanden, die bis heute unser Zusammenleben prägen.

    Vor dem Hintergrund gegenwärtiger Verrohung fragt das Buch, was geschieht, wenn diese Formen verloren gehen. Eleganz erscheint dabei nicht als Frage des Stils, sondern als soziale und kommunikative Intelligenz.

  • Im Gespräch (zu Klampen, 2024) ist ein Essay über die Kräfte, die entstehen, wenn Menschen einander wirklich zuhören. Es geht um Gespräch nicht als reinen Meinungsaustausch, sondern als offenen Prozess, der Perspektiven verschiebt und Bedeutung erzeugt.

    Das Gespräch erfordert die Bereitschaft, sich auf andere einzulassen – eine Fähigkeit, die in politischen Debatten oft verloren geht. Wo Gespräch abbricht, verhärten sich Positionen. Der Essay versteht Gespräch als kulturelle Praxis und Voraussetzung demokratischen Zusammenlebens.

  • Gesten (Vittorio Klostermann, 2025) ist ein Essay über den Körper als Medium der Verständigung. Er zeigt, warum Kommunikation niemals allein sprachlich ist, sondern immer auch über Haltungen, Bewegungen und Blicke verläuft.

    Gesten widersprechen Worten, verstärken oder unterlaufen sie und bringen Macht, Unsicherheit, Nähe oder Distanz zum Ausdruck. Der Essay verfolgt diese Ausdrucksformen in Politik, Kunst und Alltag und liest den Körper als eigenständige Form von Intelligenz.

  • Flamenco (Erstausgabe Suhrkamp 2006, Neuauflage 2024) ist eine Liebeserklärung an eine Musik, die Ausdruck, Geschichte und Körper untrennbar verbindet. Das Buch zeichnet die Entwicklung des Flamenco von seinen Anfängen im späten 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart nach.

    Auf Grundlage zahlreicher spanischer Quellen erzählt der Essay von Sängerinnen und Tänzern, den cafés cantantes, von seinem Dasein unter der Franco-Diktatur und von seiner Entwicklung hin zum Flamenco nuevo. Das Buch begreift diese Musik als kulturelles Gedächtnis, in dem sich Erfahrung, Schmerz und Widerstand verdichten.

  • Das ewige Versprechen (Suhrkamp, 2013) ist eine kulturgeschichtliche Annäherung an Brasilien. Das Buch zeichnet die Geschichte des Landes von der sogenannten Entdeckung über Kolonialzeit, Sklaverei und Unabhängigkeit bis in die Gegenwart nach. Ausgangspunkt sind eigene Erfahrungen eines Studienaufenthalts und die spätere wissenschaftliche Beschäftigung mit brasilianischer Literatur.

    Der Essay verbindet historische Distanz mit persönlicher Nähe und erzählt von Gewalt und Ungleichheit ebenso wie von der Lebendigkeit und Schönheit brasilianischer Kultur.

  • Die zwei Leben des Arthur Rimbaud (Herder, Frühjahr 2026) ist eine Biographie über einen Dichter, der mit Anfang zwanzig zu schreiben aufhörte. Der Essay verfolgt Rimbauds Weg aus der europäischen Literatur in die Welt des Handels und der kolonialen Expansion am Roten Meer.

    Im Mittelpunkt steht sein Leben danach: Jahre der Rastlosigkeit, der Fremde und des ökonomischen Kalküls. Das Buch erzählt von Bruch, Entfremdung und dem Verstummen eines Dichters.

  • Die Kommune der Faschisten (Erstausgabe Theiss / WBG, 2019, Neuauflage Dittrich, 2025) ist ein Essay über politischen Wahn und populistische Verführung. Er verfolgt die Verwandlung des italienischen Dichters Gabriele D’Annunzio von einem empfindsamen Künstler zu einem enthemmten Populisten, der die zerrütteten Verhältnisse am Ende des Ersten Weltkriegs nutzte, um junge Männer zu hunderten in ein sinnloses politisches Abenteuer, die von ihm geführte “Republik von Fiume” zu führen.

    Das absurde Unternehmen gründete auf falschem Pathos, rasch zusammengezimmerten Feindbildern, aufgeladenen Massenveranstaltungen und der offenen Verachtung institutioneller Ordnung. Der Essay zeigt, wie leicht sich Politik für demagogische Zwecke missbrauchen lässt.

  • Nervöser Orient(WBG/Theiss, 2016) untersucht die historischen und kulturellen Ursachen politischer Gewalt im Nahen Osten. Ausgangspunkt ist das europäische Eindringen im 19. Jahrhundert, das Moderne und tiefgreifende Verwerfungen brachte.

    Der Essay verfolgt die Entstehung eines radikalen Konfessionalismus. Es zeigt Gewalt nicht als kulturelle Konstante, sondern als Folge konkreter historischer Bedingungen - hier kolonialer Eingriffe, sozialer Umbrüche und überforderter Ordnungen im Spannungsfeld von Tradition und Moderne.

  • Im Taumel (WBG/Theiss, 2018) analysiert die Neuordnung Europas nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Ausgangspunkt ist die Pariser Friedenskonferenz, deren Beschlüsse neue Grenzen zogen und zugleich neue Konflikte schufen.

    Das Buch zeigt, wie aus enttäuschten Erwartungen, nationalen Kränkungen und ungelösten Verständigungsproblemen Dynamiken entstanden, die Faschismus und Nationalsozialismus nutzten. Der Zweite Weltkrieg erscheint als Folge politischer Fehlstellungen und gescheiterter Verständigung.

  • Paris unterm Hakenkreuz (WBG/Theiss, 2020) untersucht die deutsche Besatzung Frankreichs von 1940 bis 1944. Der Essay fragt nach dem raschen Vormarsch der Wehrmacht, dem Umgang mit der Bevölkerung und deren Reaktionen. Im Zentrum stehen alltägliche Gewalt, die antisemitischen Razzien und Deportationen mit Beteiligung des Vichy-Regimes sowie der französische Widerstand.

    Das Buch zeigt, wie staatliche Ordnung in staatlichen Terror umschlägt und welche Fragen nach Verantwortung und politischer Form daraus bis heute erwachsen.

  • Die neuen Demagogen (Dittrich, 2025) ist ein Essay über die Entstehungsbedingungen und Auswirkungen populistischer Politik in der Gegenwart. Er zeigt, wie und warum systematisch entfachte Erregungswellen zahlreiche Menschen in ihren Bann schlagen können. Zudem konzentriert es sich auf die Bedingungen, unter denen Menschen anfällig für die Verführungskraft populistischer Politik werden können. Und es zeigt, wie leicht sich Argumente durch Affekte ersetzen lassen.

    Populismus erscheint nicht als Ausrutscher, sondern als politischer Stil, der immer dann erfolgreich ist, wenn Menschen sich missachtet und vergessen fühlen. Den Populisten selbst geht es um vieles - nicht aber darum, für ihre Wähler ernsthaft einzutreten.