Lesungen & Gespräche

Vorstellung von “Im Gespräch”, Leipziger Buchmesse 2024

Vorträge und Gespräche öffnen einen Raum, in dem Gedanken in Bewegung geraten. Entscheidend ist weniger ein festes Ergebnis als der Weg dorthin.

In meinen Vorträgen, Lesungen und Gesprächen geht es um Bildung, Gesprächskultur und Öffentlichkeit – und um die Frage, wie Sprache, Körper und Aufmerksamkeit unser Zusammenleben prägen.

Ich moderiere Lesungen, Gespräche und Podiumsdiskussionen zu literarischen, kulturellen und gesellschaftlichen Themen.

Im Mittelpunkt steht für mich die präzise Gesprächsführung: strukturieren, vertiefen, verbinden. Ziel ist ein konzentrierter, lebendiger Austausch zwischen Podium und Publikum.

Moderationen übernehme ich auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch. 

Die zentralen Themen verstehen sich nicht als abgeschlossene Positionen, sondern als Gesprächsanlässe, die sich je nach Kontext und Publikum unterschiedlich entfalten lassen.

Vorstellung der “Neuen Demagogen” im Dittrich Verlag, 2025

Talk mit Ute Cohen (“Cohens Club”) zu “Im Gespräch”, Berlin, 2023

Zentrale Themen

I. Verständigung & Kommunikation

Das Gespräch als kulturelle Praxis - Zuhören, Differenz, Veränderung

Vortrag mit Gespräch, 75-90 Min.
Ein Gespräch ist mehr als ein Austausch von Meinungen. Es ist ein offener Prozess, in dem sich Perspektiven verschieben und Bedeutung erst entsteht. Dieser Vortrag untersucht das Gespräch als kulturelle und demokratische Praxis: Wann gelingt es? Was setzt es voraus? Und warum ist die Fähigkeit zuzuhören politisch so entscheidend? Grundlage ist mein Essay “Im Gespräch” (zu Klampen, 2024).

Das Gespräch jenseits der Worte: Gesten, Pausen, Blicke

Vortrag mit Gespräch, 75-90 Min.
Kommunikation ereignet sich nie allein in Sprache. Gesten verstärken, widersprechen oder unterlaufen das Gesagte. Pausen erzeugen Spannung oder Unsicherheit. Blicke schaffen Nähe oder Distanz. Dieser Vortrag untersucht, wie der Körper als eigenständiges Medium der Verständigung wirkt – in persönlichen Begegnungen ebenso wie in Politik und Öffentlichkeit. Grundlage ist mein Essay “Gesten” (Vittorio Klostermann, 2025).

Diskursiv erregt - zur Krise der Verständigung

Vortrag mit Gespräch, 75 - 90 Min.
Politische Debatten folgen heute oft nicht mehr der Logik des Arguments, sondern der Logik der Erregung. Positionen verhärten sich, Differenzen werden nicht mehr ausgehalten, das Gespräch bricht ab. Dieser Vortrag fragt, warum Verständigung so schwer geworden ist – und was verloren geht, wenn sie scheitert. Es geht um Affekte, mediale Dynamiken und die Frage, ob demokratische Gesellschaften ohne die Fähigkeit zum Gespräch bestehen können.

II. Eleganz, Stil & soziale Formen

Jenseits des Laufstegs - was Mode vermag

Vortrag mit Gespräch, 75 - 90 Min.
Kann Kleidung uns verändern? Die Antwort lautet: Ja – aber nicht allein. Mode ist ein Versprechen, sich neu zu erfinden, anders aufzutreten, eine andere Seite zu zeigen. Doch dieses Versprechen erfüllt sich nur, wenn Haltung und innere Entwicklung mitgehen. Dieser Vortrag untersucht Mode als Möglichkeitsraum: Sie öffnet Türen, aber hindurchgehen müssen wir selbst. Es geht um das Zusammenspiel von Außen und Innen, von Stil und Haltung – und um die Frage, wann Mode mehr ist als nur Verkleidung.

Sprezzatura - die Kunst geübter Lässigkeit

Vortrag mit Gespräch, 75 - 90 Min.
Coolness, lässige Eleganz, mühelose Souveränität – was wir heute bewundern, hat einen Namen und eine Geschichte: sprezzatura. Der italienische Diplomat Baldassare Castiglione formulierte im 16. Jahrhundert ein Ideal, das Mode, Sport, Kunst und Alltagskultur bis heute prägt. Dieser Vortrag zeigt, wie aus einem Renaissance-Konzept eine zeitlose Lebenshaltung wurde – und warum gerade das Mühelose so viel Übung erfordert.

L’art de vivre - was Frankreich uns über Eleganz lehrt

Vortrag mit Gespräch, 75 - 90 Min.
In Frankreich gilt Eleganz nicht als elitäre Attitüde, sondern als demokratisches Ideal: als Fähigkeit, das Leben zu gestalten, Genuss zu kultivieren und soziale Beziehungen mit Leichtigkeit zu formen. Dieser Vortrag untersucht die französische Lebenskunst – von der Konversation über die Küche bis zur Mode – und fragt, was andere Kulturen davon lernen können. Es geht nicht um Klischees, sondern um eine kulturelle Praxis, die das Gelingen von Alltag ernst nimmt.

III. Kulturgeschichte & Biografie

Rimbaud oder die Flucht aus der Provinz

Lesung mit biografischer Einführung, 75-90 Min.
(ab Frühjahr 2026)
Arthur Rimbaud schrieb mit Anfang zwanzig die radikalste Lyrik seiner Zeit – und hörte abrupt auf. Er verließ Europa, handelte in Ostafrika mit Kaffee und Waffen und verstummte als Dichter. Was trieb ihn fort? Dieser Abend erzählt vom zweiten Leben Rimbauds: von Rastlosigkeit, Entfremdung und der Frage, ob man sich selbst entkommen kann. Grundlage ist meine Biographie “Das zweite Leben des Arthur Rimbaud” (Herder, 2026).

Gabriele D’Annunzio, Urvater des modernen Populismus

Vortrag mit Gespräch, 75 - 90 Min.
Nach dem Ersten Weltkrieg besetzte der italienische Dichter Gabriele D’Annunzio mit bewaffneten Anhängern die Stadt Fiume und errichtete ein absurdes Quasi-Regime. Er inszenierte Politik als Abenteuer, mobilisierte Affekte, verachtete Institutionen und feierte Gewalt als ästhetische Geste. Dieser Vortrag zeigt, wie ein Literat zum Prototyp des modernen Demagogen wurde – und welche Muster sich bis heute wiederholen. Grundlage ist mein Essay “Die Kommune der Faschisten” (Theiss Verlag, 2019, Neuauflage Dittrich Verlag, 2025).

Der Schmerz als Kunst - Geschichte des Flamenco

Vortrag mit Gespräch, 75 - 90 Min.
Flamenco verbindet Körper, Geschichte und Ausdruck auf einzigartige Weise. Dieser Vortrag erzählt von den Anfängen im späten 18. Jahrhundert über die cafés cantantes, den Flamenco unter der Franco-Diktatur bis zum *Flamenco nuevo*. Flamenco ist mehr als Musik – er ist kulturelles Gedächtnis, in dem sich Erfahrung, Schmerz und Widerstand verdichten. Grundlage ist mein Buch “Flamenco” (Suhrkamp, Neuauflage 2024).

Tropisches Mosaik - Brasilien als Labor der Moderne

Vortrag mit Gespräch, 75 - 90 Min.
Brasilien ist ein Land der Widersprüche: koloniale Gewalt und kulturelle Vielfalt, extreme Ungleichheit und lebendige Kreativität. Dieser Vortrag zeichnet die Geschichte Brasiliens von der Kolonialzeit über die Sklaverei bis in die Gegenwart nach – und begreift das Land als Labor der Moderne, in dem sich globale Fragen von Identität, Migration und sozialer Gerechtigkeit verdichten. Grundlage ist mein Buch “Das ewige Versprechen. Eine Kulturgeschichte Brasiliens” (Suhrkamp, 2013).

Im Gespräch mit Wilhelm Vogelpohl (TAZ) auf der Leipziger Buchmesse, 2020