Night hour. Miniatur

Fast scheint es, als wollte die Trompete es mit den ganz großen Rhythmen aufnehmen - denen, die ein paar Meter hinter ihr die Wellen ans Land schleppen: das sich aufbäumende Wasser, sein klatschender Aufprall auf den Stein, der schlappe Rückzug, dem schon der nächste Anlauf folgt. Wie anders die Trompete: Rasch und konzentriert stößt sie ihre Töne raus, in viel schnellerer Folge als die Wellen. Wangen plustern sich auf, Finger drücken Tasten, und vorn stößt eine Melodie aus dem Horn, eine kubanische in diesem Fall, "candela, que le den candela", ausgelassen, eine Ode an die Freude in tropikaler Variante.

Eine Hymne an die Nacht, vielleicht aber auch der Wille, es mit der Dunkelheit aufzunehmen, der Macht der Vergänglichkeit, die immer auch in ihr aufscheint. Und gerade darum bin ich dankbar, dass hier ein paar Musiker auf der Mauer vor schwarzem Wasser sitzen und es gut gelaunt mit ihm aufnehmen.

Und warum auch nicht? Was zählt, ist der Augenblick, ist die Kunst des Gitarristen, des Saxophonisten, des Perkussionisten, die alles andere beiseite schiebt, als wollte sie sagen, es geht zwar immer um alles, aber hier, in diesem Moment, ist das ganz wunderbar egal.

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